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Chinareise des 11. Jahrgangs im Herbst 2015

Am Morgen des 14. Oktobers 2015 war es soweit – 15 mutige und weltoffene Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Sulingen machten sich gemeinsam mit Herrn Dr. Knatz und Frau Fisser-Blömer, einer Lehrerin aus Verden, auf den Weg zum Flughafen nach Hamburg.

Nach einem 2-stündigen Flug nach Helsinki bestiegen wir dort das Flugzeug nach China. Nicht nur wegen der mehr als 8 Flugstunden war uns etwas mulmig zumute – was uns am anderen Ende der Welt wohl erwarten würde?

Als wir dann morgens um 7 Uhr pünktlich in Chongqing, einer Weltmetropole mit der Flächenausdehnung Österreichs, ankamen, hatten wir nicht nur mit den 6 Stunden Zeitverschiebung und dem daraus resultierenden Jetlag zu kämpfen, sondern mussten uns auch direkt dem ersten Kulturschock in Gestalt der Toiletten stellen. Diese waren nämlich nicht auffindbar - stattdessen fanden wir in den Kabinen in den Boden eingelassene Löcher, also chinesische Toiletten. In den ersten Tagen in Chongqing hat uns daher immer wieder die Frage begleitete: „Gibt es hier wohl westliche Toiletten?“.

Sehr positiv überrascht waren wir von der Gastfreundschaft, die uns zu jeder Zeit entgegen gebracht wurde. Wir wurden vom Flughafen abgeholt und verbrachten unseren ersten Tag dann damit, dass uns unsere Partnerschule, die Bashu Secondary School, vorgestellt wurde und wir uns den Hauptcampus dieser Schule ansahen. Für das Mittagessen bekamen wir stets einen eigenen Raum und sehr viel Auswahl an chinesischen Köstlichkeiten. Auch wurde uns für die gesamte Woche eine Cafeteria zur Verfügung gestellt, wohin wir uns jederzeit zurückziehen und auch, nach und nach, den Jetlag auskurieren konnten.

Am ersten Abend wurden wir von unseren Gastschülern und deren Eltern abgeholt. Auch wenn es eventuell anfängliche Berührungsängste gegeben haben sollte, so können wir abschließend doch sagen, dass während unseres einwöchigen Aufenthaltes Freundschaften geschlossen worden sind.

Nach unserer ersten Nacht in China haben wir uns am nächsten Morgen alle wieder getroffen und die ersten Eindrücke vom katastrophalen Verkehr oder typisch chinesische Essgewohnheiten diskutiert. Bei der offiziellen Willkommensfeier haben unsere Gastschüler und wir uns gegenseitig unsere Schulen vorgestellt. Außerdem wurde gesungen und getanzt und es wurden kleine Gastgeschenke ausgetauscht. Uns ist einmal mehr bewusst geworden, in welch unterschiedlichen Welten wir leben: An der Bashu Middle School werden mehr Schüler unterrichtet als Sulingen Einwohner hat, in den Klassen werden bis zu 60 Schülern unterrichtet, der Unterricht kann bis in die Abendstunden gehen – und viele Schüler wohnen in Wohnheimen auf dem Schulgelände und kommen nur übers Wochenende nach Hause.

Während unseres Aufenthaltes in Chongqing nahmen wir am Unterricht unserer Partnerschule teil, lernten viel über die Kultur des Landes, sahen uns die Stadt an, besuchten typisch chinesische Märkte und unternahmen vor allem viel mit unseren neuen Freunden. Unsere chinesischen Gastgeber luden uns z.Bsp. zum Lasertagspielen ein, brachten uns bei, typisch chinesische Gerichte zuzubereiten und führten uns am letzten Abend alle zusammen zum Essen aus. In der Zeit, die wir gemeinsam verbrachten, konnten beide Seiten einige Vorurteile ablegen und uns wurde klar, dass wir, auch wenn wir tausende von Kilometern weit voneinander entfernt leben, gar nicht mal so verschieden sind. Zwischendurch mussten wir blonden Langnasen auch immer wieder als Foto-Objekte zur Verfügung stehen.

Die Begeisterung der Chongqinger für ihr Nationalgericht, den „Hot-Pot“, konnten wir leider nicht ganz teilen. Optisch erinnert das Gericht an ein Fondue - In der der Mitte des Tisches steht ein großer, mit Öl und Chilis gefüllter Topf, in den man dann „some special Chinese food“, wie zum Beispiel Kugelfischhaut oder auch Speiseröhre vom Schwein, gart. Auch wenn wir dafür einige verständnislose Blicke ernteten - blieben wir bei dieser Mahlzeit lieber beim geschmacksneutralen Reis.

Nach einer sehr schönen und interessanten ersten Woche voller neuer Eindrücke sind wir nach Peking (Beijing) geflogen. Hier bezogen wir ein Hotel, von dem aus wir jeden Morgen mit unserer Reiseführerin, Frau Li, in den Tag starteten. Frau Li sprach sehr gut deutsch und hat uns die bekanntesten Sehenswürdigkeiten der chinesischen Hauptstadt gezeigt: So bekamen wir in der zweiten Woche u.a. den Kaiserpalast und die verbotene Stadt, den Platz des Himmlischen Friedens, den Lama-Tempel, den Himmelstempel, das Nationalmuseum, die Ming-Gräber und den Sommerpalast zu sehen. Neben vielen Fakten zur chinesischen Geschichte hat Frau Li uns auch viel über den Alltag in China heute erzählt, und sie hat uns alte und neue Märkte gezeigt, in viele chinesischen Restaurants geführt – und sie wusste auch, wo man einen McDonald oder Starbucks findet. Für uns war das Highlight der Ausflug zur Chinesischen Mauer, die zwar steiler als erwartet und somit sehr anstrengend zu besteigen war, aber eine Aussicht bot, für die sich die Mühen auf jeden Fall gelohnt haben!

Abschließend sind wir alle sehr froh, in Deutschland mit vergleichsweise sehr hohen Standards, „normalen“ Toiletten und einem weniger strengen Schulsystem und vor allem kürzeren Schultagen aufgewachsen zu sein. Trotzdem freuen wir uns, so viele interkulturelle Erfahrungen gesammelt zu haben, so dass sich die weite Reise ans andere Ende der Welt, zur ältesten Kultur der Menschheit, in jedem Fall mehr als gelohnt hat! Wir freuen uns, wenn unsere chinesischen Freunde 2016 zum Gegenbesuch nach Sulingen kommen und planen jetzt schon, was wir ihnen alles zeigen wollen. Wir hatten in China schließlich auch jede Menge Spaß und denken bestimmt auch in vielen Jahren noch gerne an den Herbst 2015 zurück, der uns so viele interessante, lehrreiche, schöne uns lustige Erinnerungen geschenkt hat! 

Josephine Glander und Yuvina Kostrzewa