Wie in allen anderen Fächern auch, werden die künftigen Abiturienten in Niedersachsen ihre Latein-Abschluss-Prüfungen in Form eines Zentralabiturs ablegen.
Folglich werden die Halbjahresthemen, die für den Jahrgang 12 und 13 verbindlich sind, und auch die Abitur-Prüfungsaufgaben von Hannover vorgegeben.
Zu beachten ist, dass wegen der jahrgangsübergreifenden Kurse die Themen des dritten und vierten Semesters gleichzeitig Themen des ersten und zweiten Semesters des folgenden Jahrgangs darstellen.
Der Jahrgang 12 hatte in 2005/2006 folgende Themen:
Liebesdichtung, vor allem Ovid, ars amatoria
Römische Redekunst, vor allem Cicero, de oratore und politische Reden.
Für 13/1 ist in 2006/2007 Livius, die Entstehung der Römischen Republik, festgelegt, also Geschichtsschreibung. Livius ist, wenn man das so sagen darf, ein recht angenehm dahin-plätschernder Autor, der die Frühzeit Roms in einer Mischung aus Sagenhaftem und Historischem schildert.
In 13/2 folgt dann Cicero, die Ethik Epikurs, also Philosophie. Epikur lehrte, dass das Frei-Sein von Schmerz das höchste Gut sei; in platterer Form wurde dies oft umgedreht und so ausgelegt, dass ein möglichst großes Maß an Vergnügungen das Ziel des menschlichen Lebens sei...
Dies sind damit auch die Themen für den Jahrgang 12 in 2006/2007.
Für 2007/2008 ist bereits Vergil, Aeneis Buch IV genannt, nach Meinung vieler Kundiger der Höhepunkt der römischen Literatur: Der Trojaner Aeneas kommt nach der Eroberung seiner Heimatstadt durch die Griechen auf seiner Irrfahrt durch das Mittelmehr nach Karthago, verliebt sich dort in die Königin Dido, die er aber doch verlässt, um pflichtgetreu dem Auftrag der Götter zu folgen und weiter nach Italien zu fahren, damit dort die neue Heimat von den Trojanern besiedelt werden kann...
Nachdem im 2. Halbjahr 2006/07 die epikureische Philosophie Thema war, wird im 2. Halbjahr 2007/08 die stoische Philosophie vorgestellt mit dem Schwerpunktautor Seneca, de brevitate vitae. Kurz gesagt geht es um die Frage, wie soll ich meine Lebenszeit verbringen, um glücklich zu sein. Senecas Philosophie wird heute noch von manchem Manager-Berater und zeitgeistlichem Lebenshilfe-Guru ausgeschlachtet; Seneca im Original gelesen zu haben, dürfte also schon als Party-Geplauder enormen Eindruck machen – und vielleicht lernt man ja tatsächlich was für`s Leben.
Das 1. Halbjahr 2008/09 ist wieder Ciceros Rhetorik (orationes Philippicae) gewidmet, diesmal dem praktischen Beispiel: wie mache ich meinen politischen Gegner so richtig fertig, und zwar auf höchstem rhetorischen Niveau. Wer sich dafür und ein wenig für römische Geschichte und Politik des 1. Jahrhunderts vor Christus interessiert, wird an diesem Thema Gefallen finden.
Im zweiten Halbjahr 2008/2009 steht mein Lieblingsautor auf dem Programm: Tacitus. In psychologisch ausgefeilter und dramatisch zugespitzter Weise behandelt dieser Historiker mit unüberbietbarer stilistischer Raffinesse das Problem von Macht und Moral; er hat sich zum Ziel gesetzt, dass Mut und Charakterstärke durch seine Darstellung die Zeiten überdauern sollen und umgekehrt schändliches Verhalten aus Angst vor schlechtem Nachruhm gemieden wird.
Das erste Halbjahr 2009/10 ist leichterer, schmeichelnderer Stoff: Die Verwandlungssagen des Ovid. Allerdings muss man sich auf Dichtung einlassen, Hexameter und Pentameter. Wer dies aber tut, wird mit mal tragischen, mal komischen, aber immer witzig-eleganten Texten belohnt, deren spielerische Leichtigkeit keine deutsche Übersetzung erreichen kann: Solche Verse in Übersetzung zu lesen ist so, als ob man eine Frau nur durch einen Schleier küsst...
Cicero, pro Archia poeta , ist Thema von 2009/10, 2. Halbjahr. Hier geht es um die Bedeutung von Bildung für das römische Staatswesen, ein Thema, das sich zunächst etwas langweilig anhören mag, aber Cicero nutzt es auch, um sich mit politischen Gegnern auseinander zu setzen und seinen Lesern so eine Vorstellung der innenpolitischen Situation im ersten Jahrhundert vor Christus zu geben.
Wer etwas fürs Leben lernen will, kann dies wieder bei Seneca tun. Seine "epistulae morales" befassen sich im Kern immer wieder mit der Frage: "Wie führe ich ein glückliches Leben".
Zu Recht berühmt ist eine von Senecas pointierten Sentenzen: "Ante senectutem curavi, ut bene viverem, in senectute, ut bene moriar; bene autem mori est libenter mori" - "Bevor ich alt wurde, habe ich mich darum gesorgt, gut zu leben, jetzt, wo ich alt bin, sorge ich mich, gut zu sterben. Gut zu sterben aber heißt gern sterben." Erst in der Selbstbestimmung liegt das Glück, aber Freiheit ist nicht nur Freiheit von etwas sondern vor allem Freiheit zu etwas.
In 2010/2 geht es wieder um Politik. Wir lernen Catilina kennen, den Sozialrevolutionär, der sich an die Macht putschen wollte, und wir lesen den Autor Sallust, der sich mit dem Zusammenbruch der römischen Sozialordnung beschäftigt, ein durchaus modernes Thema: Kommen die Probleme in Staat und Gesellschaft von der (mangelnden) Moral der Menschen oder sind die sozialen und wirtschaftlichen Strukturen Ursache der Probleme.
Daneben werfen wir sicher auch einen Blick in Ciceros berühmte Reden gegen Catilina, wie er mit gewaltiger Rhetorik manche Ungereimtheit des eigenen Vorgehens beseite trompetet.
Erneut Ovid, diesmal die Liebeskunst, und ein bisschen Tibull, einen weiteren Liebesdichter, gibt es in 2011/12 im ersten Halbjahr. Bei Ovid kann man auch etwas fürs Leben lernen, und zwar für jede Lebenslage: a) wie gewinne ich die Gunst eines hübschen Mädchens b) wie erringe ich die Gunst eines netten jungen Mannes c) wie halte ich mir unerwünschte Annäherungen vom Leibe.
Ovid gibt sich als Praeceptor amoris, als Liebeslehrer, aber immer mit einem großen Schuss Humor und Ironie.
Die noch sehr kurzen Ankündigungen von Hannover für das Zentralabitur 2013 sind noch ohne detailliertere Textvorgaben. Sie betreffen die Schüler, die im Schuljahr 2011/2012 in Q1 sind, sehen folgendermaßen aus
Leitthemen für das Profil
1. Schulhalbjahr: Leitthema 1 (Gegenstandsbereich A)
Römische Liebesdichtung
Ovid, amores
2. Schulhalbjahr: Leitthema 4 (Gegenstandsbereich B)
Umgang mit der Zeit und der Freizeit
Seneca, epistulae morales
3. Schulhalbjahr: Leitthema 7 (Gegenstandsbereich C)
Römische Geschichte an Persönlichkeiten
Livius, ab urbe condita, erste Dekade
4. Schulhalbjahr: Leitthema 10 (Gegenstandsbereich D)
Römische Staatsphilosophie
Cicero, de re publica
Im Unterricht der 9. bzw. 10. Klassen werden wir Lateinlehrer diese Themen vorstellen, damit man wenigstens ein bisschen weiß, auf was man sich einlässt.
Generell sind entsprechende Informationen auch zu finden auf der homepage unseres Gymnasiums, unter Oberstufe/Zentralabitur.