Benutzer:

Passwort:

 

Allgemein

„Open Space“-Teilnehmer: „Das war kein Geschwafel“ - Landtagswahl: Gymnasium stellt Bewerber auf den Prüfstand

„Hätte der Focke das weitergemacht, dann hätte ich noch drei Stunden zuhören können“, schmunzelt Jascha Meyer, 19 Jahre alt, aus Siedenburg. Zugegeben, Moderator Harald Focke provozierte. Wohl weniger um die Gäste des Gymnasiums auf die sprichwörtlichen Palmen zu jagen, sondern viel mehr, um die 350 Schülerinnen und Schülern zu motivieren, die fünf Parteien-Vertreter ähnlich kritisch

auf den Prüfstand zu stellen. Die Fachschaft Politik und Wirtschaft hatte zum „Open Space“ nach Sulingen gebeten.

Nach den Wahlen zum Europäischen Parlament und denen zum Deutschen Bundestag war die Veranstaltung gestern die dritte dieser Art. Neben Karl-Heinz Klare (CDU) und Joachim Oltmann (SPD) stiegen gestern Morgen Andreas Bodtke für die FDP, Elke Oelmann für die „Grünen“, Rudolf Dyk für „Die Linke“ und Markus Liebs von den „Piraten“ in die Bütt. Nach der Vorstellungsrunde im Stadttheater geleiteten die Lehrkräfte der Fachschaft die Parteienvertreter in unterschiedliche Räume des Gymnasiums, wo sie sich einzeln den Fragen der Schülerinnen und Schüler stellen mussten. Den Gymnasiasten selbst blieb es dann überlassen, wen sie wie lange mit ihrer Aufmerksamkeit bedachten. Besucherströme beziehungsweise Zuhörermengen in den einzelnen Räumen als Messlatten für die Akzeptanz der einzelnen Parteien bei den Jugendlichen zu werten, wäre zu einfach . Bei dem „Piraten“ Markus Liebs waren freie Sitzplätze ständig Mangelware, sicher Folge der Neugier auf Inhalte der doch noch jungen „Piratenpartei“, vor allem aber Folge des - im Vergleich zum Plenum im Stadttheater, wo Karl-Heinz Klare residierte, doch eher begrenzten Platzangebotes. Die Schülerinnen und Schüler begegneten den Gästen mit Respekt, urteilten kritisch, aber fair. Marie Sprick (17) aus Kirchdorf bescheinigte dem CDU-Abgesandten Klare Kompetenz, „nur die Antworten sind ziemlich lang ausgefallen.“ Felix Barries (16) aus Scholen gab sich vom Auftreten des Liberalen Andreas Bodtke positiv angetan. „Klar, da fehlt noch ein wenig Erfahrung. Er hat aber versucht, auf jede Frage eine Antwort zu finden.“ Sina Lührs (16) aus Sulingen nach der Teilnahme an der Diskussion mit dem Sozialdemokraten

Joachim Oltmann: „Der ist auf unsere Fragen gut eingegangen und hat ausführlich erklärt. Das war kein Geschwafel.“ Denise Rosenthal (17, Affinghausen), nach ihrem Besuch des „Linken“ Rudolf Dyk: „Drogen legalisieren? Naja, ich weiß nicht. Ansonsten sehr freundlich.“ Konstantin Ausborn, 14 Jahre, aus Sulingen, der sich unter anderem beim „Piraten“ Markus Liebs informierte: „Das war schon okay, auch wenn es zum Teil unverständlich war. Der Raum war eben sehr voll.“ Grundsätzlich nahmen die Schülerinnen und Schüler das Angebot „Open Space“ dankbar an. Jona Eppmann (15) aus Borstel: „Die Idee ist gut. Man kann sich schnell umfassend informieren.“ Dorothea Sträßner (15) aus Sulingen: „Ich hatte vorher zum Teil nur grobe Vorstellungen von den Ansichten der einzelnen Parteien. Hier können wir gezielt nachfragen.“ Fragen nach Studiengebühren, nach Öffentlichem Personennahverkehr und Energiepolitik mussten sich die Gäste stellen.

Für Unterhaltungswert hatte Moderator Harald Focke während des „Warm-Ups“ zu Beginn gesorgt: Warum Karl-Heinz Klare nicht Kultusminister geworden sei, was Joachim Oltmann am CDU-Ministerpräsidenten David McAllister schätze oder wer zuletzt etwas Nettes über die FDP gesagt habe - nicht nur die 350 Schülerinnen und

Schüler nahmen es mit Humor.

 

Aus der Sulinger Kreiszeitung

Verfasser: Timpke