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Ein Schokokuss im Weltall - Gruppe lässt Wetterballon steigen

Europa ist das Thema der laufenden Projektwoche im Gymnasium, doch wenn am heutigen Donnerstag von 10 bis 17 Uhr die Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentiert werden, bietet ein Projekt auch den Blick über Europas Grenzen hinaus: Ein Wetterballon startete am Dienstag vom Schulhof und brachte Experimente der Schüler bis in den Weltraum.

Federführend bei der Gruppe von 20 Schülern aus den Jahrgangsstufen 6 bis 12 sind der Physikkurs auf erhöhtem Niveau aus Jahrgangsstufe 12 und die Meteorologie-AG, beide geleitet von Dr. Christoph Oelke. Die Aspekte aus den Fächern Biologie und Chemie betreut Wilfried Köhn. Der Ballon diente als Transportmittel für eine Radiosonde: Sie bestand aus einer Styroporkiste, die einen Datenlogger enthielt zur Aufzeichnung von Höhe, Lufttemperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, der Intensität ultravioletter und infraroter Strahlung, einem GPS-Sender zum Verfolgen der Position und einer Kamera, erläutert Schüler Jannik Holthus. Unterhalb der Kiste angebracht war eine Holzlatte, an deren Enden Experimente befestigt waren: Auf der einen Seite waren in Reagenzgläsern gekeimte Samen von Kresse und Radieschen sowie ungekeimte Möhrensamen, Waldameisen und Kellerasseln als Passagiere dabei. Gegenüber waren – im Blickfeld der Kamera – auf einer Plattform ein Schokokuss und eine ungeöffnete Tube Zahnpasta befestigt.

Der mit Helium befüllte Ballon könne eine Höhe von bis zu 35 Kilometer erreichen, sagt Oelke, „das ist die dreifache Reiseflughöhe von Verkehrsflugzeugen.“ Bei den Samen und den Tieren sei es darum gegangen, zu überprüfen, wie sie mit Extrembedingungen zurechtkommen – Temperaturen von minus 65 Grad Celsius und erhöhter Strahlung im Weltraum.

Am Dienstag startete der Ballon gegen 11.30 Uhr vom Schulhof. Nach etwa zwei Stunden Aufstieg platzte er aufgrund der Ausdehnung des Gases, und die Sonde kehrte am Fallschirm zurück zur Erde. Etwa anderthalb Stunden sei sie im Weltraum gewesen – „die Kameraaufnahmen sind spektakulär“, schwärmt Oelke. Nur etwa zwölf Kilometer vom berechneten Zielpunkt entfernt landete die Sonde bei Fintel im Landkreis Rotenburg (Wümme). In zwei Fahrzeugen, ausgerüstet mit Leitern, Stangen – und, für alle Fälle, auch Badehosen –, war das Bergungsteam unterwegs, um die Sonde einzusammeln zur Auswertung der Experimente.

Dass der nachlassende atmosphärische Druck den Schokokuss zum Aufplatzen brachte, während die Zahnpastatube sich nur leicht aufblähte, konnte die Gruppe bereits beim Aufstieg mitverfolgen. Die tierischen Studienobjekte überlebten die Reise nicht, wie gut die Sämereien den Ausflug in die Stratosphäre überstanden haben, muss sich noch zeigen. Was der Datenlogger aufgezeichnet hat, lässt sich noch nicht sagen – „es lässt sich nicht auslesen“, räumt Holthus ein.

Begonnen habe das Projekt bereits vor sechs Wochen im Unterricht und in der AG, berichtet Oelke. Unter anderem war eine Genehmigung für den Aufstieg einzuholen und eine Versicherung für mögliche Schäden abzuschließen, nicht zuletzt musste auch das Gymnasium den Start vom Schulhof erlauben. Vor allem aber war der richtige Tag mit günstigen Wetterbedingungen zu finden. „Das war ein guter Tag“, stellt er fest. Nur einen Tag später wäre die Sonde wegen der Windverhältnisse möglicherweise in Hamburg oder gar in der Nordsee gelandet.

Als „sehr, sehr interessant“, beurteilen Pia-Lotte Leymann und Laetitia Wolf, beide aus dem Physikkurs, das Projekt. Es sei bereits im Unterricht vorgestellt worden: „Wir sind beide naturwissenschaftlich sehr interessiert“, sagt Leymann, „es ist ganz außergewöhnlich, daran mitwirken zu können.“ Spannend sei auch am Dienstag gewesen, über das GPS-Signal den Flug der Sonde zu verfolgen, und „von den Suchteams haben wir von unterwegs immer Updates bekommen.“

Eine Neuauflage des Ballonstarts ist laut Oelke durchaus denkbar: Die Sonde sei – mit einem neuen Ballon – wiederverwendbar, bei den Startvorbereitungen sei man künftig routinierter, und für eine eventuelle Landung im Wasser werde man die Sonde besser abdichten.

Aus der Sulinger Kreiszeitung vom 05.06.2025