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Besuch aus Namibia - Bürgermeister empfängt Klimascouts von der Namib High School im Sulinger Rathaus

„Should I speak English?“ Ja, die fünf Schülerinnen und ein Schüler von der Namib High School in Swakopmund, die für zwei Wochen zur „Klimawerkstatt“ das Sulinger Gymnasium besuchen, sind sehr dafür, dass Dirk Rauschkolb ihnen die Stadt auf Englisch vorstellt. Aber Arthur Rohlfing rettet schmunzelnd den Bürgermeister: „Die sprechen alle gut deutsch.“

Gemeinsam mit ihrer Lehrerin Annelie Oesterle, den deutschen Klimascouts, bei deren Familien sie zu Gast sind, Margot Wilhelmi, „Motor“ des Projektes aufseiten des Gymnasiums und Arthur Rohlfing, der den besonderen Schüleraustausch mit ökologischem Schwerpunkt 2014 initiiert hatte, lauschen die 15- bis 17-Jährigen aus Namibia Rauschkolbs Ausführungen im Ratssaal. Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen, Freizeitangebote, überregional bekannte Produkte wie die Schuhe mit dem roten Streifen und Bullenschluck – Rauschkolb schneidet bei der Präsentation per Beamer allerdings auch Themen an, die für die Zuhörer aus Namibia sprachlich herausfordernder sind. Etwa, dass es gelte, das Mittelzentrum als Behördenstandort zu erhalten, die Rekommunalisierung des Krankenhauses, die Diskussion darum, Sulingens „Shopping-Meile“, die Lange Straße, in eine Fußgängerzone zu verwandeln. Die Jugendlichen und ihre Lehrerin bringen den Bürgermeister anschließend mit ihren Fragen hier und da in buchstäbliche Erklärungsnot. Justin Brandt etwa möchte wissen, was die Bundesrepublik von anderen Republiken, etwa den USA, unterscheidet. Annelie Oesterle möchte mehr über Wahlen in Deutschland erfahren. Und wozu der Sirenenalarm bei Bränden gut ist, den sie vergangene Woche nachts gehört hat: „Ich dachte, es ist Krieg, bin mit meinen Taschen zur Haustür und habe gewartet, was jetzt passiert“, verrät sie grinsend.

Den Jugendlichen sind noch so einige Unterschiede zu ihrer Heimat Namibia aufgefallen: Deutsche mögen Kohlen-säure im Mineralwasser, Rindfleisch schmeckt hier nicht so gut, dafür ist sehr wenig Müll an den Straßen zu finden. Diana Hamalwa fällt noch ein wichtiger Unterschied ein: „Die Fanta ist hier so komisch gelb, bei uns ist sie orange.“ Auch der Unterricht sieht in Deutschland anders aus: Dass die Schüler sich manchmal unterhalten, während der Lehrer spricht, hätte in Namibia prompt Nachsitzen zur Folge. Makeup, Frisuren, Klamotten: Deutsche Schüler könnten ihre Persönlichkeit freier ausdrücken, sind sich die Klimascouts aus Swakopmund einig. Ihre Schuluniformen möchten sie dennoch nicht loswerden, denn damit fühle man sich mehr wie ein Team und es gebe keine Diskriminierung aufgrund von Äußerlichkeiten. Elektronische Unterrichtsmittel würde sich Annelie Oesterle auch für die Namib High School wünschen. Vor drei Jahren wurden die Schulgebühren abgeschafft – „allerdings erwartet der Staat jetzt von den Lehrern und Eltern Fundraising, um den Ausstattungsstandard zu halten.“

Neben der Teilnahme am Unterricht gehören Exkursionen zum Programm der Klimascouts, die am Freitag die Heimreise antreten. Etwa zu den Moorwelten in Ströhen, zum Wasserwerk in Sulingen, in die Kuppendorfer Heide als charakteristisches Ökosystem der Region und zum Waldpädagogikzentrum Hahnhorst in Schwaförden. Am besten gefallen hat den meisten von ihnen das Klimahaus Bremerhaven. Die soziale und ökonomische Situation, die Klimabedingungen, Flora und Fauna und Auswirkungen des Klimawandels auf die Lebensbedingungen in beiden Ländern waren Themen eines ENSA-Seminars: Erstmals wird der Besuch im Rahmen des Entwicklungspolitischen Schulaustauschprogramms (ENSA) des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit gefördert. „Das bedeutet verlässliche und dauerhafte finanzielle Unterstützung“, freut sich Arthur Rohlfing. Die nächste Reise von Schülern des Gymnasiums Sulingen zur Klimawerkstatt nach Swakopmund ist für 2019 geplant.

Aus der Sulinger Kreiszeitung vom 23.08.2018