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Leidenschaft bis zum letzten Tag - Schulleiterin Ute Lüßmann wechselt mit Ablauf des Schuljahres in den Ruhestand

Seit 1986 unterrichtet Ute Lüßmann am Gymnasium Sulingen. Im Jahr 2000 wurde sie stellvertretende Schulleiterin, fünf Jahre später Schulleiterin. Ende Juni / Anfang Juli scheidet sie aus dem Schuldienst aus. Nach Baustellen, die sie an der Schmelingstraße hinterlässt, wird man Anfang Juli lange suchen müssen. Eine nennt sie selbst: „Unsere Schulbibliothek ist nicht die, die man an einem modernen Gymnasium erwartet.“ Aber: „Das ist eine Sache, mit der ich mich auch noch im Ruhestand beschäftigten kann.“

Ute Lüßmanns Arbeitsplatz wirkt aufgeräumt, sie selbst strukturiert; wie eh und je. Dass sie die Grenze der letzten 100 Tage vor Eintritt in das Pensionsalter bereits überschritten hat, merkt man der 63-Jährigen nicht an. „Ich habe meine Aufgaben immer gerne wahrgenommen“, sagt sie, „und nehme sie auch bis zum letzten Arbeitstag gerne wahr.“ Wohl auch über den 1. Juli, den Tag ihrer Verabschiedung, hinaus. Zwei Tage später stehen weitere Verabschiedungen aus dem Lehrerkollegium an. „Die übernehme ich noch; sehr gerne“, so Lüßmann.

Aufgewachsen ist die Wahl-Siedenburgerin in Kassel, wechselte dann im Alter von 19 Jahren zum Studium nach Göttingen. Das Referendariat absolvierte sie in Nordhessen, um danach an der Integrierten Gesamtschule in Garbsen zu unterrichten. „Eine Zeit, die mich geprägt hat“, sagt die zukünftige Ruheständlerin, nicht zuletzt mit Blick auf die heterogenen Lerngruppen, die sie Anfang bis Mitte der 80-Er an der Schule in der Region Hannover vorgefunden hatte. „Projektarbeit wurde schon damals an der IGS großgeschrieben.“

Ute Lüßmann genießt in ihrer Freizeit die Arbeit im heimischen Garten. „Im Großraum Hannover sind Immobilien mit großen Gärten rar“, weiß sie. Mit ihrem Ehemann entschied sie sich für ein Eigenheim in Siedenburg.Die Versetzung an das Gymnasium Sulingen ließ nicht lange auf sich warten.

An der Schmelingstraße unterrichtete sie anfangs Biologie und Chemie, heute, ob ihrer Aufgaben als Schulleiterin, nur noch wenige Stunden die Woche. „Ich vermisse das schon“, räumt sie ein und spricht noch gerne von den Leistungskursen, die sie in den 90-Ern begleitete. „Das war eine anspruchsvolle, vor allem aber eine interessante Aufgabe.“

1995 wurde sie als erste Frau am Gymnasium als Koordinatorin eingesetzt – und zählte fortan zum erweiterten Kreis der Schulleitung.

Als sich Lüßmann 2005 um die Stelle des Schulleiters des Gymnasiums Sulingen bewarb, sei ihr bewusst gewesen, welche großen Fußstapfen ihr damaliger Kollege, Dr. Dr. Wolfgang Griese, an der Schmelingstraße hinterlassen würde. „Ich sah mehr die Herausforderung.“ Nicht nur, dass sich nach der Schulstrukturreform mit denen in Twistringen und Bruchhausen-Vilsen zwei Gymnasien im Nahbereich des Mittelzentrums niederließen und das Kultusministerium den Weg zur eigenverantwortlichen Schule ebnete: „Die Orientierungsstufenschulen wurden aufgelöst. Wir mussten nicht nur die fünften und sechsten Jahrgänge, sondern auch viele neue Kollegen integrieren.“

Anfängliche Befürchtungen, dass die Angebote der Nachbar-Gymnasien zu einer Reduzierung der Schülerzahlen und damit zu einer Schwächung der Angebotsvielfalt an der Sulinger Schmelingstraße führen könnten, bewahrheiteten sich bis heute nicht. Ute Lüßmann spricht von einer stabilen Vier- bis Fünfzügigkeit; etwa in der Oberstufe. „Planerische Herausforderungen“ hätten viel mehr die fünften und sechsten Klassen mit sich gebracht. Die Nutzung von Raumkapazitäten an der Sulinger Edenstraße und in einem ehemaligen Küchenfachmarkt an der Schmelingstraße diente als Übergangslösung. Erst der Anbau des Verwaltungstraktes inklusive der Mensa (mit Unterstützung der Stadt Sulingen) und der aktuelle Erweiterungsbau sorgten beziehungsweise sorgen für eine nachhaltige Entspannung der Raumsituation.

Als weitere Meilensteine ihrer Laufbahn als Schulleiterin nennt Ute Lüßmann die G8-Reform (Abitur nach zwölf Schuljahren), die Einführung der offenen Ganztagsschule, das aktuelle Pilotprojekt gebundener Ganztagsklassen in den Jahrgängen fünf und sechs, die Einführung von Spanisch als weitere Fremdsprache am Gymnasium Sulingen sowie die Einführung von Informatik-Leistungskursen. „Damit sind wir in Sulingen immer noch ganz vorne.“

Ute Lüßmann lehnt sich zufrieden zurück: Auch ihre Nachfolge sei weitgehend geklärt. „Zumindest nach unseren Informationen.“ Wem die 63-Jährige ihren ihr lieb gewordenen Arbeitsplatz anvertraut, lässt sie offen. „Das ist Sache der Landesschulbehörde. Ich will nicht vorgreifen.“

Die scheidende Schulleiterin widmet sich eher wieder dem Projekt Schulbibliothek: Ideen habe man im Kollegenkreis gesammelt, auch erste Gespräche mit Bürgermeister Dirk Rauschkolb geführt.

Ihr persönlich schwebe in der Entwicklung des Bibliothekswesens in Sulingen eine Kooperation mit der Stadt und der Stadtbücherei vor. „Da könnte wirklich etwas Zukunftsweisendes entstehen.“

Aus der Sulinger Kreiszeitung vom 28.03.2019