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Politische Aussagen in Buffetform - „Open Space“: EU-Parlamentskandidaten stellen sich Sulinger Gymnasiasten

Das Format „Open Space“, in dem am Freitag rund 250 Zehnt- und Elftklässler am Gymnasium Sulingen Kandidaten zur Wahl des EU-Parlaments am 26. Mai auf den Zahn fühlen konnten, barg für die Politiker durchaus Herausforderungen. Für Landtagsabgeordneten Stefan Wirtz (AfD), Viola von Cramon (Bündnis90/Grüne), Christoph Podstawa (Die Linke), Dr. Cornelia Ott (SPD) und David McAllister (CDU), Mitglied des Europäischen Parlaments, galt es, sich nicht irritieren zu lassen, wenn den für sie reservierten Klassenraum kleine Grüppchen der Zuhörer verließen – oder neue hinzukamen, ihnen mitunter Fragen stellten, die sie schon beantwortet hatten.

Der „Open Space“ im Vorfeld einer Wahl hat am Gymnasium schon Tradition. Für Christian Kramer von der Fachschaft Politik war es der dritte, den er organisierte. „Demokratie hat ganz viel mit Mehrheiten zu tun, die entstehen müssen, um Entscheidungen zu treffen. Das geht nicht ohne Reibungsprozesse, Konflikte – was aber nicht unbedingt schlecht ist, weil man so die eigene Haltung ausführen, ausformen, aber auch verändern können muss.“ Die Kandidaten (es fehlte Nino Ruschmeyer, FDP) stellten sich eingangs im Stadttheater kurz vor, bevor sie den Schülern Rede und Antwort standen zu Themen wie Klimawandel, Urheberrechtsreform, Brexit, Düngeverordnung, Nationalismus. Hier einige „Stichproben“: Gefährden nationalistische Parteien die Stabilität der EU? „Ja, definitiv“, befand Christoph Podstawa, „aber: Die EU-Politik macht es sich gleichzeitig zu einfach.“ Bei der Aufnahme von Geflüchteten zähle auch Deutschland zu den Mitgliedsstaaten, die sich aus egoistischen Gründen auf das Dublin-III-Abkommen zurückgezogen und Griechenland, Italien und Spanien damit allein gelassen hätten – „wir haben die Menschen völlig unnötig gefährdet, statt zu sagen: Alle Flüchtlinge werden dorthin gebracht, wo sie aufgenommen werden wollen – es gibt genug Gemeinden, die Geflüchtete nicht als Probleme sehen, sondern als Menschen, die einfach hier ihr Leben aufbauen wollen.“

Bezogen auf die neue Düngemittelverordnung erklärte Viola von Cramon: „Wir haben jahrelang viel zu viel und viel zu unbedarft gedüngt, das rächt sich jetzt.“ Sie wisse, dass die Verordnung „absolut suboptimal ist und zum Teil die Falschen trifft.“ Da brauche man Übergangslösungen, „aber dass wir grundsätzlich rigider sein müssen, dass wir Obergrenzen brauchen, dass wir überlegen müssen, wie wir die Trinkwasseraufbereitung langfristig organisieren, das ist klar.“ Auch gelte es, Landwirte mit den EU-Agrarmitteln bei der Reduzierung und artgerechteren Haltung ihres Tierbestandes zu unterstützen.

Wie er zur Entwicklung der Elektroautos stehe, deren Produktion umweltschädlicher als die Nutzung von Dieselfahrzeugen sein soll, wurde David McAllister gefragt. „In Deutschland gibt es eine große Euphorie in Sachen Elektromobilität, und sie kann sicher einen Beitrag leisten, unsere Klimaschutzziele zu erreichen. Aber ich würde davor warnen, ausschließlich darauf zu setzen.“ Er sei ein großer Anhänger der Wasserstofftechnologie, bekannt der ehemalige Niedersächsische Ministerpräsident: „Ich glaube, dass der Wasserstoff die umweltfreundlichere und auf Dauer erfolgreichere Antriebsform sein könnte.“ Die Ökobilanz der Elektromobilität ist aus meiner Sicht noch nicht ganz durchgerechnet.“

Wie kann man sich politisch engagieren, ohne sich einer Jugendorganisation von Parten anzuschließen, wollte eine Schülerin von Dr. Cornelia Ott wissen. „Man kann demonstrieren, sich bei Vereinen wie Amnesty International, Greenpeace oder dem BUND einbringen, die auch versuchen, auf Politik Einfluss zu nehmen.“ Zur Ergänzung der Schülerin, dass sie mit keiner Partei komplett übereinstimmen könnte, stellte Dr. Ott fest: „Man kann mit niemandem komplett übereinstimmen. Man kennt von den Parteien ungefähr die Grundrichtung. Aber auch innerhalb der SPD wird gestritten, bis man zu einer Mehrheitsentscheidung kommt.“

Was will die AfD für den Klimaschutz tun? „Es ist völlig natürlich, dass das Klima sich wandelt, das kann man nicht verhindern. Was wir mit Klimaschutz meinen, ist Schutz vor den Folgen des Klimawandels, den wir als kommend sehen. Zum Beispiel gegen Hochwasser: Man kann Flüsse renaturieren, Flächen schaffen, auf die das Wasser umgeleitet wird, um einen Puffer zu schaffen, es geht um Deichbau und Dammbau.“ Auf Windkraft zu setzen, sei der falsche Weg, es komme auf Sparsamkeit und Effizienz an.

Aus der Sulinger Kreiszeitung vom 27.04.2019