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„Schüler werden zu Botschaftern“ - Gymnasium initiierte Projekt gegen Fremdenhass und Ausgrenzung

Der Sulinger Leon Tserkezidis besucht die Klasse 9c des Gymnasiums Sulingen, Tom Bialkowski aus Bruchhausen-Vilsen auch. Rassismus und Ausgrenzungen spielten an ihrer Schule beziehungsweise in ihrem jeweiligen Umfeld bis dato eher keine Rolle; da sind sich die beiden jungen Männer einig. Dennoch verfolgen Tserkezidis und Bialkowski mit Interesse die Inhalte des Workshops „Demokratie und Toleranz“, den alle neunten Klassen der Schule an der Schmelingstraße in Sulingen in der letzten Woche durchlaufen haben.

Zweimal drei Tage mit jeweils zwei Klassen investiere die Schule aktuell in das Projekt, erklärt Oberstufenkoordinator und Ideengeber Stephan Timpke. Förderer sind der Verein der Eltern und Freunde des Gymnasiums Sulingen sowie die Stadt Sulingen. Der Sockelbeitrag kommt vom Sozialministerium aus Hannover. Begleitet werden die Workshops durch Stephanie Höll, Johanna Kunze, Matthias Bittner und Anton Winkelmann, allesamt Mitarbeiter von „Joblabor“ mit Sitz in Hannover.

Das Gymnasium Sulingen ist seit zehn Jahren Mitglied des Bündnisses „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Stephan Timpke: „In einer Phase, in der die Alltagsrassismen in der Gesellschaft zunehmen, wollen wir ein Zeichen setzen – und unseren Schülerinnen und Schülern Hilfestellungen anbieten.“ Dass sich die Schulleitung bei diesem Vorhaben der Dienste der Mitarbeiter von „Joblabor“ bedient, komme nicht von ungefähr: „Uns war wichtig, dass die Impulse von außen kommen“, erklärt Timpke. „Wären wir als Lehrer der Schülerinnen und Schüler an den Workshops beteiligt, könnten sie sich nicht so offen zeigen, wie sie es jetzt tatsächlich tun.“

Die Trainer von „Joblabor“ bedienen sich in der Zusammenarbeit mit den insgesamt vier an dem Workshop teilnehmenden Klassenverbänden immer des gleichen Strickmusters. Stephanie Höll: „Wir klären mit den Schülerinnen und Schülern, wo Ausgrenzung beginnt; etwa, weil ein Mit-Schüler sich anders als andere verhält – oder einfach auch nur andere Klamotten trägt.“ „Ausgrenzung findet nicht nur in der Schule statt, sondern auch in der Freizeit; beim Sport“, ergänzt Johanna Kunze. „Das fängt manchmal schon damit an, wer beim Fußball wann in welche Mannschaft gewählt wird.“ „Wir wollen sensibilisieren“, so Höll. In welcher Situation grenzen Menschen andere aus? Was sind die Gründe? Wie kann man Situationen entschärfen? „Unser Ziel ist, dass die Schülerinnen und Schüler selbst Antworten auf diese Fragen finden.“

Sie, die Trainer, sehen sich in den Workshops in den Rollen der Moderatoren, setzen in den einzelnen Phasen auch auf Rollenspiele. Kleingruppen setzen Ausgrenzungserlebnisse in Szene. Die Zuschauer begeben sich in die Opfer- oder auch in die Täter-Rolle und erarbeiten Lösungsansätze.

„In diesem Prozess können eigene Handlungsmuster aufgedeckt, reflektiert und durch neue Handlungsideen ersetzt werden“, erklärt Stephanie Höll.

Begleitet werde das „Forumtheater“ durch flankierende Team-Trainingsmethoden, die auf Stärken-Schwächen-Analysen der Schülerinnen und Schüler fußen. „Die sich am Ende auch die Lehrerinnen und Lehrer zunutze machen können.“

Am Mittwoch, dem 30.10., stellten die Schülerinnen und Schüler die Ergebnisse des „Forumtheaters“ schulöffentlich vor. Im Publikum sitzen laut Stephan Timpke dann auch Kollegen der Bündnis-Partnerschule aus Twistringen und die Teilnehmer einer Fortbildung für Beratungslehrer, die in Sulingen angeboten wurde. „Die Projektteilnehmer werden zu Botschaftern“, so Stephan Timpke.

Leon Tserkezidis und Tom Bialkowski nicken. Auch wenn Rassismus und Ausgrenzungen bis dato an ihrer Schule beziehungsweise in ihrem jeweiligen Umfeld eher keine Rolle gespielt habe, seien die Sinne geschärft worden – und das Interesse, sich weiter gegen Fremdenhass und Ausgrenzung zu stellen. „Nachhaltig“, davon sind die beiden Neuntklässler überzeugt.

Aus der Sulinger Kreiszeitung vom 30.10.2019