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„Leben im Verborgenen“ - Ausstellung im Gymnasium

SULINGEN (mks) „Bei uns gilt Ordnungsrecht vor Menschenrecht“, beschreibt Kirchenkreissozialarbeiter Rüdiger Fäth einen Zustand, der nicht nur gegen das Grundgesetz, sondern gegen christlich-ethische Wertmaßstäbe verstoße: „In Deutschland ist nur der ein Mensch, der Pass und Papiere hat.“

Die kirchlichen Dienste der ev.-luth. Landeskirche Hannovers widmeten den so genannten „Illegalen“ eine Wanderausstellung mit dem Titel „Leben im Verborgenen – Menschen ohne Pass und Papiere in Deutschland“. „Wir freuen uns, dass wir Gastgeber für die Ausstellung sein dürfen, die im Wesentlichen nur in Kirchen zu sehen ist“, sagte Schulleiterin Ute Lüßmann bei der Eröffnung in den Räumen des Gymnasiums. Sie sieht die Chance, junge Menschen in diesem Rahmen an ein Thema heranzuführen, das im Allgemeinen wenig präsent ist. „Die Ausstellung will Menschen eine Stimme geben, die wir als Illegale bezeichnen – Menschen, von denen die meisten nichts wissen oder nichts wissen wollen“, sagt Rüdiger Fäth mit dem Hinweis auf rund eine halbe Million Einwanderer, die ohne gültige Aufenthaltspapiere in Deutschland leben.

An Einzelschicksalen wird das Thema aufgearbeitet: Die 81-jährige krebskranke Alma aus Kirgistan erzählt von ihrer Angst, als illegale Einwanderin kein Grab zu bekommen: Sie besitzt als einzige ihrer Familie keinen deutschen Pass. Gladys aus Ghana sorgt sich, dass ihr in Deutschland geborenes Kind nicht zur Schule gehen darf. Bedo aus der Türkei wünscht sich, „wie ein normaler Mensch leben zu können“.

Wunsch und Wirklichkeit klaffen weit auseinander: Abgelehnte Asylanten haben keinen Schutz vor Ausbeutung, sind nicht krankenversichert, haben kein Recht auf Bildung. Superintendent Klaus Priesmeier: „Anders als in anderen EU-Ländern werden sie in Deutschland behandelt wie Straftäter.“ Da sie sich nicht mit den üblichen Rechtsmitteln wehren könnten, seien sie Gewalt, Ausbeutung und Betrug schonungslos ausgesetzt. Zwar könnten die Kirchen nicht stellvertretend Probleme der Gesellschaft lösen, wohl aber Betroffenen Gehör, Begleitung und Ermutigung schenken. Christina Runge, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Diepholz, erinnerte daran, dass die Einwanderer nicht ohne guten Grund ihre Heimat verlassen. Die Gruppe der „Illegalen“ sei darüber hinaus ein beachtlicher Wirtschaftsfaktor: „Ohne sie würden ganze Branchen zusammenbrechen“, zitierte sie den Migrationsforscher Klaus J. Bade. Sie halte es für wichtig, das Thema breit zu diskutieren, betonte Runge. Genau das ist laut Pastor Joachim Musiolik die Intention der Ausstellung. Er appellierte, „nicht die Augen zu verschließen vor den Nöten und dankbar zu sein für das, was wir haben“. Die Ausstellung im Gymnasium zeigen zu können, sei unter diesem Aspekt eine gute Sache.

Die für Mittwoch geplante Podiumsdiskussion fällt leider aus.

Verfasser: Timpke