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Im globalisierten Klassenzimmer - Experiment am Gymnasium Sulingen: Videokonferenz mit Universität Siena über Philosophie und Literaturwissenschaft

SULINGEN (ab)Videokonferenzen sind bei international agierenden Unternehmen seit Jahren Usus – aber in einem Klassenzimmer? Das Gymnasium Sulingen unternahm gestern dieses Experiment, in Kooperation mit der Universität Siena. „Es ist für uns eine völlig neue Erfahrung, die neuen Medien in dieser Form für den Austausch zu nutzen – Danke, dass sie sich auf das Wagnis eingelassen haben“, schickte Schulleiterin Ute Lüßmann per Datenautobahn Grüße nach Italien.

Mit nur leichter zeitlicher Verzögerung antwortete Professor Christoph Lumer, der im rund 1400 Kilometer Autofahrt entfernten Siena die Veranstaltung leitete: „Wir hoffen, dass dies kein einmaliges Ereignis bleibt.“ Philosophie und Literaturwissenschaft standen auf dem „Stundenplan“: Prof. Dr. Clemens Härle von der Universität Siena analysierte Franz Kafkas Kurzprosatext „Eine kaiserliche Botschaft“, Petra Heinrich referierte auf Sulinger Seite unter dem Titel „Heinrich von Kleist: Denken gefährdet die Gesundheit“. Prof. Dr. Sandro Nannini befasste sich mit „Zeit und Zeitwahrnehmung aus einer naturalistischen Sicht“, Sibylle Mahrdt-Hehmann, die ihre Kontakte zur Universität Siena genutzt und das Projekt initiiert hatte, ging analog zum „Werte und Normen“ Thema dieses Semesters der Frage nach: „Was verstehen wir unter Willensfreiheit?“ Auf beide Blöcke folgte eine Diskussion.

Im Gymnasium waren aus dem Q1-Bereich zwei „Werte und Normen“-Kurse und ein Deutschkurs beteiligt, die eigentlich aufgrund der mündlichen Abiturprüfungen frei gehabt hätten. „Es waren auch Schüler aus den 10. Klassen da, einfach aus Interesse“, freute sich Sibylle Mahrdt-Hehmann. Sie zog eine positive Bilanz des Projekts, das im Kollegium („und bei Leonhard, einem technisch versierten Schüler der 9. Klasse“) auf große Unterstützung gestoßen sei. „Die Leitung funktionierte ohne Unterbrechungen, und ich denke, die Schüler waren beeindruckt. Sie haben sich in der Diskussion sehr gut eingebracht – dafür hätten wir noch mehr Zeit haben sollen.“ Sicher gebe es noch einiges zu verbessern, etwa die Übertragungsqualität. Doch das „globalisierte Klassenzimmer“ sieht Sibylle Mahrdt-Hehmann als gymnasiale Bildung auf höherem Niveau – mit vielen Möglichkeiten. „Schüler bekommen einen Eindruck von der Arbeitsweise an Universitäten, bei Projekten mit Austauschpartnern gibt es eine ganz andere Kommunikationsqualität, virtuell sind ‚Reisen‘ möglich, die finanziell und zeitlich kaum zu realisieren wären.“

Verfasser: Timpke