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„Wer A sagt, muss auch B sagen...“ - Nach Typisierung am Gymnasium: Sulingerin zur Stammzellenspende gebeten

Franziska Bock ist ehrlich: „Am Anfang stand sicherlich so etwas, wie Gruppenzwang“, sagt die 20-Jährige. 2009 beteiligte sie sich am Gymnasium an einer von der Schülervertretung initiierten Typisierungsaktion. Kurz vor Weihnachten flatterte der Abiturientin Post von der Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) ins Haus – die Aufforderung zur Knochenmarkspende. Franziska Bock: „Wer A sagt, muss auch B sagen...“ Nach dem Abitur im Sommer verbrachte sie vier Wochen in Südkorea. „Als Au Pair. Land und Leute haben mich interessiert, vor allem die Sprache.“ Knapp drei Wochen nachdem sie wieder nach Deutschland zurückgekehrt war, traf der Brief der DKMS aus Tübingen bei der 20-Jährigen ein – das war am 22. Dezember. „Ich war schon überrascht“, sagt sie heute. „Man macht sich so seine Gedanken. Infrage gestellt habe ich meine eigene Bereitschaft allerdings nicht.“ Die Mitarbeiter der DMKS machen das Erfordernis der Spende dringend. „Ich war aufgefordert, mich schnell zu melden, weil meine Stammzellen gegebenenfalls die einzigen sind, die helfen können.“

Was folgte waren Untersuchungen beim Hausarzt – und weiterführende in der Uni-Klinik in Münster, wo Franziska Bock auch in der kommenden Woche zur so genannten peripheren Stammzellenentnahme erwartet wird. Die Stammzellen werden dann ambulant dem fließenden Blut entnommen. Um die Stammzellen in Bewegung zu bringen, wird Franziska Bock ab heute und bis zur Spende Anfang kommender Woche täglich ein hormonähnlicher Stoff gespritzt. Wem sie schließlich ihre Stammzellen zur Verfügung stellt, verraten die Mitarbeiter der DMKS vorerst nicht. „Mit Ausnahme von Angaben zu Alter, Geschlecht und Herkunftsland“, weiß die Sulingerin. Sind Spender und Empfänger gegebenenfalls noch nach zwei Jahren an einem Kennenlernen interessiert, vermittelt die DKMS einen Kontakt. „Ich bin auf jeden Fall interessiert“, sagt Franziska Bock, die sich zurzeit auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz zur Kauffrau im Groß- und Außenhandel befindet.

Ihre Familie, aber auch der Freundes- und Bekanntenkreis, stehe ihrem Vorhaben positiv gegenüber. Unter anderem auch Isabell Both, die 2009 die Typisierungsaktion am Gymnasium initiiert hatte. „Ich freue mich total, dass unsere Aktion zum Erfolg geführt hat, vor allem aber darüber, dass sich Franziska zur Spende bereiterklärt hat.“ Im Sommer 2009 hatten sich in Sulingen am Gymnasium über 200 Personen typisieren lassen.

Nach Auskunft der Mitarbeiter der Deutschen Knochenmarkspenderdatei kommt es bei höchstens fünf von hundert potenziellen Stammzellspendern innerhalb der folgenden zehn Jahre zu einer Stammzellspende. Für junge Spender, die vollständig typisiert sind, beträgt die Wahrscheinlichkeit, Stammzellen zu spenden, etwa ein Prozent innerhalb des ersten Jahres nach der Typisierung.

Aus der Sulinger Kreiszeitung vom 04.02.2011

Verfasser: Timpke